Bremerhaven 2011
STADT ELBING/WESTPREUSSEN  
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Viertes Treffen der Heimatkreise Elbing-Stadt und Elbing-Land in Bremerhaven


Diese nun schon zu einer guten Tradition gewordenen jährlichen Treffen in unserer Patenstadt Bremerhaven fanden mit großer Beteiligung wieder einmal im Restaurant „Treffpunkt“ statt. Es ist schön, wenn sowohl Örtlichkeit als auch Beteiligte sich von Begegnung zu Begegnung vertrauter werden und ein Band der Zusammengehörigkeit die Teilnehmer dieses Heimatkreistreffens umspannt. Die unregelmäßigen und mit großem Abstand durchgeführten Treffen in den zurückliegenden Jahrzehnten und die daraus entstandene Entfremdung der Teilnehmer konnten erst mit dem Engagement des Heimatkreisvertreters Günther Kuhn dazu führen, dass ein stärkeres Gefühl gegenseitiger Verbundenheit der Elbinger entstand.


Auch durch die Wiederbelebung der Arbeit der beiden Heimatkreise seit dem Jahre 2005 konnten die Elbinger aus Stadt und Land wieder regelmäßig zusammengerufen werden. Dass auch noch heute nach über 66 Jahren der Wunsch nach Gemeinschaft besteht, zeigt die rege Teilnahme der verschiedenen Altersgruppen an diesen Treffen. Der 1. Oktober 2011 wurde wieder ein Tag der Gespräche untereinander, aber auch ein Zugang zu neuem Wissen über die ehemalige Heimat sowie ihrer Veränderung und Gestaltung in polnischer Zeit.


Die Mitglieder des Vereins „Heimatkreise Elbing-Stadt und Elbing-Land“ hatten sich für diesen Tag der Begegnung gut vorbereitet. In diesem Jahr fanden sich 152 ehemalige Elbinger ein, um ihre Verbundenheit und ihr Interesse zu bekunden. Leider hatten etliche der angemeldeten Teilnehmer den Weg nach Bremerhaven nicht antreten können, da sie durch Krankheit oder aus familiären Gründen verhindert waren. Ihr Fehlen wurde von vielen Anwesenden, weil man sich auf einander gefreut hatte, sehr bedauert.


Am Eingang zum festlich geschmückten Saal begrüßten der Heimatkreisvertreter, seine Stellvertreterin und Mitglieder des Vereins die Ankömmlinge. Wenn auch nicht bei jedem Teilnehmer gleich der Name parat war, so waren doch viele Gesichter vertraut und die herzliche Begrüßung kennzeichnete die freundschaftlichen Beziehungen, die in den letzten Jahren gewachsen waren. Die frohe und erregte Stimmung griff auf alle über.


Mit dem Trompetensolo, der Melodie eines masurischen Erntedankliedes, begann die Feierstunde. Dieses Lied mit seiner besonderen Symbolik trifft auch das Anliegen des Vereins, der nun die Ergebnisse seiner zurückliegenden Arbeit sichtbar machen konnte. Die Einbettung in die Aufgaben der Landsmannschaft Westpreußen, die auf den jährlichen Treffen in Münster dargestellt werden, spiegelt sich auch in der Umsetzung der Ziele unseres Vereins wider – nämlich: die Menschen unserer Heimat nicht aus den Augen zu verlieren, ihr Heimatgefühl zu stärken und es den nächsten Generationen zu vermitteln.


Als Gäste und damit Verbündete bei dieser wichtigen Aufgabe konnten wir in diesem Jahr begrüßen:


In ihren Grußworten unterstrichen auch sie die Bedeutung des friedlichen Miteinanders als Grundlage für die Gestaltung der Zukunft in Europa und für die Bewältigung der Aufgaben in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung.


Günther Kuhn konnte in seiner Ansprache auf weitere positive Ergebnisse in der Arbeit der Heimatkreise hinweisen und Eckpunkte für die vor uns liegenden Aufgaben markieren. Einen Schwerpunkt stellt die Organisation von Treffen der Elbinger auf Landesgruppenebene dar. Erfolgreich sind auch die für beide Kreise durchgeführten Fahrten in die Heimat.  Weiterhin sind der stetige Ausbau der Auflistungen zu den Orten und Gemeinschaften der beiden Heimatkreise sowie das Angebot unserer Internetpräsentation die wesentlichen Aufgaben unserer Arbeit. Das Engagement unseres erkrankten Stellvertreters Günter Mauter in seinem vielfältigen und umfangreichen Arbeitsgebiet wurde in Abwesenheit durch die Verleihung des Ehrenzeichens der Landsmannschaft Westpreußen gewürdigt.


Immer wieder bewegend für alle ist die Totenehrung, die an das millionenfache Leid der Menschen in den Kriegsjahren sowie an das erlittene Unrecht durch Diktaturen und Siegerwillkür erinnert, aber auch auffordert, sich gegen eine Wiederholung zu wehren. Mit dem Singen unserer Nationalhymne endete die Feierstunde.


Nach der Mittagspause, die die Elbinger bereits in lebhafter Runde zusammenführte, konnten am Nachmittag die verschiedensten Angebote wahrgenommen werden. Da waren die immer wieder umlagerten Listen der Orte und Gemeinschaften, die Auskünfte über Familien, Freunde und Bekannte gaben und so manche neue Erkenntnis über das Schicksal ehemaliger Elbinger vermittelte.


Großen Zuspruch fanden die Bilder und Modelle des Kapitäns i.R. Edwin Littkemann aus Neukrug, die Nehrung und Haff mit ihren Dörfern und Menschen darstellen und vor dem Auge des Betrachters wieder erstehen lassen. Die Gespräche mit dem Künstler sind eine Bereicherung. Ein Stück Zeitgeschichte - in dieser Form einmalig – sind die Fotodokumentationen aus den dreißiger Jahren, die Jens Baumgardt auf der Basis alter Negative erstellen konnte: Bewohner der Nehrungsdörfer inmitten ihrer Familien, in ihren Tätigkeiten, in ihrem Umfeld. Wolfgang Löwner zeigte weiteres Material zu dem Themenbereich Nehrung und Frisches Haff. Es ist eine Zeitreise, die jedem Betrachter durch die kreative und dokumentarische Arbeit der drei Herren vor Augen geführt wird.


Wer mochte, konnte im Saal den Auftritt des Shanty-Chores Spaden erleben. Nach der Kaffeepause ging es weiter mit der DIA-Reportage „Westpreußen, Land am Unterlauf der Weichsel“, von der Kulturreferentin Frau Magdalena Oxfort M.A. gestaltet und vorgeführt. Diese Reise durch das Land mit deutscher Vergangenheit und polnischer Gegenwart wurde zu einem Erlebnis. Der Zauber, der von der Landschaft ausging, die Schönheit der Städte mit ihren Bauten, die die Jahrhunderte deutscher Architektur und Handwerkskunst ausstrahlten, zogen uns alle in ihren Bann. Aber auch der Wiederaufbau nach dem Kriege zeugt an vielen Stellen von der Verbundenheit der neuen Bürger mit ihrer jetzigen Heimat. Mit diesem Beitrag wurde zum Ende des Tages noch einmal der Nerv aller Teilnehmer berührt.


Gesellig ging es nun in die Abendstunden. Die Räumlichkeiten und die gute Versorgung durch das Restaurant trugen zum Wohlbefinden aller bei.


Am nächsten Morgen, dem Erntedanksonntag, fand sich eine größere Runde von Elbingern an der Gedenktafel der Bürgermeister-Smidt-Gedächtniskirche ein, um hier ein Gesteck niederzulegen. Vor dem Altar der Kirche lagen die Früchte des Feldes – ganz wie in dem masurischen Erntedanklied beschrieben, das für unser Treffen zum Symbol geworden war.


Mit diesem Gefühl des Dankes und der Zuversicht gingen wir auseinander. Unser nächstes Heimatkreistreffen wird vom 12. bis zum 14. Oktober 2012 wieder in unserer Patenstadt Bremerhaven sein.



Karin Uffmann

stellvertretende Heimatkreisvertreterin

Elbing-Stadt und Elbing-Land