Busfahrt 2011
STADT ELBING/WESTPREUSSEN  
Start. Stadt Elbing. Landkreis Elbing. Westpreußen. Dorfgemeinschaften. Familienforschung. Heimatkunde. Beiträge. Impressum.


Unsere zweite Busreise der Heimatkreise Elbing-Stadt und Elbing-Land


In diesem Jahr führte uns die Reise in unsere Heimat nach Masuren und in den Raum Elbing. Wir, d.h. der Vorstand der beiden Heimatkreise, hatten die Wünsche der Teilnehmer unserer Reise im Juni 2010 in die Planung einbezogen und das Motto „Wir zeigen uns unsere Heimat“ auch auf Ostpreußen erweitert. Viele der Reiseteilnehmer trafen schon am 11. August bei unserem Reiseunternehmen in Rodewald ein und nutzten die Abendstunden im Hotel, um sich in geselliger Runde kennen zu lernen. Am nächsten Morgen war es fast so, als würden wir schon lange miteinander bekannt sein. Fröhlich begann die Fahrt. Die Hinzusteigenden in Hannover, Braunschweig und Berlin wurden freudig mit einem Lied begrüßt. Ab Berlin waren wir nun vollzählig, also 43 Teilnehmer, die alle erwartungsvoll den Reisezielen entgegen schauten.


Günther Kuhn und Karin Uffmann, welche die Reise geplant hatten, erzählten Wissenswertes und Unterhaltsames zur Geschichte des Landes Preußen, zu seiner Entwicklung in der Ordenszeit und zu Sehenswürdigkeiten in den Städten, durch die wir fuhren oder als Reiseziele ansteuerten. Kleine Anekdoten und Geschichten sowie immer  wieder Lieder aus dem Volksgut förderten die Geselligkeit im Bus. Bei unserer ersten Zwischenübernachtung in Gnesen waren wir bereits eine lebhafte Truppe, eine beginnende Gemeinschaft, welche die Schönheiten West- und Ostpreußens miteinander erleben wollte. Und diese Stimmung wurde im Laufe der Fahrt enger und vertrauter, so dass auch von den Reiseteilnehmern Beiträge zu Land und Leuten beigesteuert sowie Geschichten in der ostpreußischen Mundart vorgelesen wurden.


In Gnesen, der ältesten polnischen Stadt, die seit dem Jahr 1000 Sitz des polnischen Erzbistums und Krönungsstadt der ersten polnischen Könige war, empfing uns Beata, unsere Reiseführerin in Polen. Auf einem kleinen Rundgang durch die geschichtsträchtige Stadt erfuhren wir weitere Einzelheiten. Am nächsten Morgen besichtigten wir mit Beata den Dom. Neben dem Reliquienschrein des Adalbert von Prag, der bei der Missionierung der Prussen im Jahre 997 den Märtyrertod fand, waren vor allem die Bronzetüren sehenswert, die in diesem Jahr für uns geöffnet wurden. Auf den beiden Türflügeln sind die Taten des Heiligen und auch die Bewohner Altpreußens dargestellt.


Wieder im Bus ging die Fahrt durch die abwechslungsreiche Landschaft mit den typischen Baumalleen, deren grüne Tunnel uns immer wieder faszinierten. Wir fuhren durch Kulm für eine kurze Stadtbesichtigung und weiter über Osterode nach Allenstein. Die Stadt wurde erstmals schriftlich im Jahre 1348 erwähnt. Heute ist sie die Hauptstadt für das Ermland und Masuren. Zahlreiche historische Bauten haben die Kriegswirren überlebt und wie in anderen polnischen Städten wurde der Stadtkern in Anlehnung an die alte Architektur neu errichtet. Der Rundgang durch die Innenstadt wurde begleitet von stadtfestähnlichen Freuden. Ein Ziel im Innenhof der Bischofsburg waren die Babensteine der Prussen, die ein Bild abrundeten über das im Bus von diesem Volk Gehörte.


Über Sensburg ging es weiter nach Lötzen, wo wir im Hotel „Wodnik“ für drei Übernachtungen einkehrten. Am nächsten Morgen starteten wir zu einer Rundreise durch das nördliche Masuren. Bei schönstem Sommerwetter, das uns die ganze Zeit treu blieb, begann unsere Dampferfahrt von Lötzen über den Mauersee nach Angerburg – unbegreiflich schön. Die Seele erhielt eine Streicheleinheit nach der anderen: Über uns der masurische Himmel so blau, wie wir ihn bei uns noch nirgends gesehen hatten. Die Seenlandschaft glänzte und spiegelte die kleinen und größeren Wolken, die sich wie ein Bilderrahmen um die Gewässer gelegt hatten. Es war, als ob man in die Unendlichkeit fuhr. Auf den Seen glitten die Weißen Segelboote an uns vorbei und schimmerten in der Ferne – eine Jacht schöner als die andere.

Die Stadt Angerburg wurde uns von Günther Kuhn, der hier geboren war und noch viele Kindheitserinnerungen hatte, liebevoll nahe gebracht. Ein längeres Verweilen war aber nicht möglich, denn der Bus wartete schon. Unser nächstes Ziel war der Soldatenfriedhof Jägerhöhe bei Schwenten, ein gepflegtes Areal mit schönen Bäumen, wo deutsche und russische Soldaten des 1. Weltkrieges begraben sind. Von hier aus hatten wir einen wunderschönen Blick über die masurische Seenlandschaft. Dieser Platz ist eine Mahnung für den Besucher, aus den Erinnerungen der letzten Kriege zu lernen und für ein friedliches Miteinander Sorge zu tragen. Nun ging es mit dem Bus über Angerburg, Thiergarten, Stobben nach Groß Steinort, wo Graf Heinrich von Lehndorff, der zur Widerstandsgruppe gegen Hitler gehörte, gelebt und gewirkt hatte. Über weitere Dörfer im Kreis Angerburg ging es zurück nach Lötzen.


Der Sonntagabend hatte für uns noch ein besonderes Erlebnis: In der evangelischen Kirche trat der Chor der Kantorei aus Querfurt auf. Die Eintrittsgelder und eine mitgebrachte Spende sollten für die Restaurierung der Orgel dieser Kirche verwendet werden. Dieses Zeichen einer gelebten Städtepartnerschaft war ein besinnlicher Abschluss dieses Tages wie auch der nächtliche Rundgang am Löwentinsee und durch die Stadt.


Am Montag erkundeten wir das südliche Masuren. Die mächtige, sternförmig angelegte Festung Boyen war beeindruckend. Ganz anders Nikolaiken, das den Besucher mit seinem quirligen Leben gleich in den Bann zog. Es war ein Feiertag in Polen und nicht nur wir deutschen Touristen genossen das Besondere dieses Ortes.

Weiter ging die Fahrt nach Ukta, wo wir die traditionellen Maränen zu Mittag aßen und danach die Schönheit der Krutinna mit ihren teils hohen, aus der Eiszeit stammenden, bewaldeten Ufern in uns aufnahmen. Während der Stakfahrt genossen wir diese Idylle mit dem klaren Wasser, den darin liegenden roten Steinen und Muscheln, sowie den vielen blauen um uns in der Luft tanzenden Libellen.


Mit einem Abstecher nach Eckertsdorf, wo die Altgläubigen aus Russland, die Philipponen, zwischen 1828 und 1832 nach einer Vereinbarung zwischen dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. und dem russischen Zaren angesiedelt wurden, ging die Fahrt weiter nach Kleinort. Hier im Forsthaus war der Schriftsteller Ernst Wiechert am 18. Mai 1887 geboren. Sein Werk ist von den Menschen und der  Natur Ostpreußens geprägt worden. Seine christliche Grundeinstellung zeigt sich aber auch in seinen Appellen an das Gewissen seiner Leser, wenn er in seinen Erzählungen das Recht des Menschen, des Einzelnen, der Rechtlosigkeit seiner Zeit gegenüberstellt. Für seine mutigen Auftritte vor Studenten wurde er 1938 verhaftet und nach Buchenwald verschleppt. Über diese schrecklichen Erlebnisse legt er im „Totenwald“ (1945 erschienen) Zeugnis ab.


Der Dienstag führte uns über Rastenburg, Rössel, Heilsberg, Wormditt nach Mühlhausen. Überall begegneten uns Reste alter Ordensburgen und die herrlichen wehrhaften Kirchen, die ihre Geschichte förmlich ausatmen und die Besucher stets aufs Neue in ihren Bann ziehen. Unterwegs war es immer wieder ein Erlebnis, die vielen Linden- und Eichenalleen zu durchfahren und die Störche auf den Dächern, Nestern oder auf den Feldern und Auen zu sehen. Mühlhausen, die kleine Stadt im Kreis Preußisch Holland, die ihre Kriegsnarben noch nicht beseitigen konnte, wurde für uns alle zu einem besonderen Erlebnis. Margarete Stramka, unsere älteste Teilnehmerin, wurde hier vor 89 Jahren geboren. Hier hatte sie auch 1943 in der Peter-Paul-Kirche geheiratet. In dieser Kirche wurde sie auch getauft und konfirmiert. Der Priester der nun katholischen Kirche ließ uns ein und spielte für Margarete auf der Orgel. Wir sangen für sie ihr Hochzeitslied „Großer Gott, wir loben dich“; es wurde für uns alle zu einem bewegenden Moment.


Und dann war da nur noch Freude, als Elbing sich vor uns ausbreitete und wir für die nächsten Tage dort angekommen waren. Angekommen hieß aber auch, dass unsere Reise ihren Zenit erreicht hatte und schon das Ende dieser Fahrt winkte. Noch aber hatten wir schöne Tage vor uns, die wir voll nutzen wollten. Elbing war in diesem einen Jahr unserer Abwesenheit wieder ein Stück schöner geworden. Die Altstadt hat wieder einen Straßenzug, die Wilhelmstraße, dazubekommen. Sehr abwechslungsreich gestaltet, machten diese Häuserfronten mit ihren nachempfundenen Giebeln auf uns einen anheimelnden und gewinnenden Eindruck. Die Tage in Elbing waren zwar vom Programm eng verplant, aber jeder konnte auch nach seinem Ermessen die Zeit hier selbst gestalten, was auch gerne angenommen wurde.


Am Donnerstag – für Viele ein Muss und Genuss – war die Fahrt mit dem Schiff über die Rollberge. Das Sonnenwetter verzauberte die sowieso atemberaubende Schönheit des Drausensees mit seiner Pflanzen- und Vogelwelt. Und der Kanal mit seinen fünf geneigten Ebenen , auch Rollberge genannt, zieht jeden immer wieder in seinen Bann. Da ab dem nächsten Jahr hier Bauarbeiten geplant sind, freuten wir uns alle, diese schöne Fahrt zu erleben. Unser Bus holte uns in Buchwalde ab und brachte uns über Preußisch Holland nach Frauenburg.


Welche Extreme strömen in dieser kleinen Stadt auf die Besucher ein und lassen sie nicht los. Da ist der beeindruckende Dom mit der Wirkungsstätte des Nikolaus Kopernikus einerseits und dann die Erinnerungsstätte an die Flucht von 450.000 Menschen über das Haff, bedroht von Bordwaffen und Bomben der russischen Flugzeuge. Während des Orgelkonzerts überstürzten sich die Gedanken und Gefühle. Wieder in Elbing nutzte ein jeder seine Freizeit, um Eindrücke zu sammeln oder bei Krysztof „Unter dem Hahn“ in geselliger Runde zu entspannen.


Freitag, der letzte Tag in Elbing war herangerückt. Früh brachen wir nach Marienburg auf. Dieses Burgensemble fasziniert schon von weitem. Die polnischen Fachleute haben es in alter Schönheit erstrahlen lassen. Bei jedem Besuch nimmt man ein Stück mehr von diesem kulturhistorischen Kleinod wahr. Auf der Rückfahrt über die Niederungsdörfer erfuhren wir viel Wissenswertes von Karl Paetsch, der sich mit den Ellerwaldern sehr für die Gestaltung und Aufstellung des Gedenksteins zur Erinnerung an die Kirche Zeyer eingesetzt hat. Mit dem Besuch bei der deutschen Minderheit endete dieser erlebnisreiche Tag. Jeder der Reiseteilnehmer nutzte nach dem Abendbrot die verbleibende Zeit, um Abschied von Elbing zu nehmen.


Am nächsten Morgen fuhren wir singend aus der Stadt. Die Rückfahrt führte uns über Danzig und Oliva zur Übernachtung nach Stettin. Die zweistündige Führung durch Danzig konnte natürlich nur Eckpunkte setzen, aber sie war ein Erlebnis. Auch die Besichtigung der Kirche in Oliva mit einem kleinen Orgelkonzert hat uns sehr beeindruckt. Die Abfahrt am Sonntag von Stettin war ein Abschiednehmen in mehrfacher Hinsicht. Von den hinter uns liegenden wunderschönen Tagen und von den uns so vertraut gewordenen Reiseteilnehmern. Es bleibt zu wünschen, dass es für diese Gemeinschaft einmal ein frohes Wiedersehen geben wird.


Karin Uffmann, stellv. Heimatkreisvertreterin Elbing-Stadt und Elbing-Land