Rehberg
DER LANDKREIS ELBING   
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Rehberg

Der Name Rehberg bedarf keiner weiteren Erklärung. Rehberg hat entweder der großen romantischen  Cadiner Forst, den Rehbergen, den Namen gegeben oder ihn von ihr empfangen.


Wann Rehberg begründet worden ist, wissen wir nicht. Höchstwahrscheinlich schenkte der Landmeister Dietrich von Grüningen im Mai 1255 dem Elbinger Heilig-Geist-Hospital das Rehberger Gebiet in eine Ausdehnung von 40 Hufen. Das Hospital muß dort ein Dorf begründet haben. Wann das geschah, ist unbekannt. Jedenfalls wird Rehberg im 14. Jahrhundert als Dorf genannt. 1347 erhielt Reimannsfelde die Mühlengerechtigkeit für Rehberg. Die Rehberger durften also nur in der Reimannsfelder Mühle mahlen lassen. 1432 verlieh der Orden das Dorf Rehberg mit seinen 40 Hufen an den Landesritter Hans von Baisen. Das Heilig-Geist-Hospital erhielt einige Jahre später vom Hochmeister Konrad von Erlichshausen (1441-49) wohl zum Ersatz Birkau. Rehberg aber wurde nun zum Rittergut. Selbstständig ist es nie gewesen. Es gehörte ununterbrochen zur Herrschaft Cadinen und teilte mit diesem Gut die gleichen Schicksale. Im 19. Jahrhundert zur Birknerzeit Cadinens, ebenso wie auch noch zur Kaiserzeit bis 1913 war Rehberg verpachtet. Jetzt wird es wieder von der Herrschaft Cadinen bewirtschaftet. Es gehört auch zum Gutsbezirk Cadinen.


In der ersten preußischen Zeit, also nach 1772, bekam Rehberg eine Schule. Seit dem 1. Juni 1800 wirkte hier ein Lehrer Kempowski. Er erhielt von der Gutsherrschaft 42 Taler, fünf Scheffel Roggen, einen Scheffel Gerste, einen Scheffel Erbsen, freie Wohnung und Brennung. Für jedes Schulkind war ihm wöchentlich ein Groschen Schulgeld zu zahlen. Dieses Gehalt wurde ihm am 4. Juni 1800 vom Cadiner Gutsverwalter Scholten zugebilligt. Die Schule in Rehberg ging 1823 ein. Die Rehberger Kinder wurden nach Cadinen eingeschult, erschienen hier aber bei der weiten Entfernung und den häufig ungangbaren Wegen fast gar nicht zum Unterricht. Dieser Zustand währte bis 1872. Damals suchte man mit Strafmitteln geregelten Schulbesuch zu erzwingen. Allein ohne Erfolg. Daher wurde Rehberg vom 1. April 1874 ab gastweise nach Baumgart eingeschult. Dieser Zustand besteht noch heute. Der Plan, in Scharffenberg eine für Cadinen und Rehberg gemeinsame Schule zu erbauen, der in den 1870er Jahren erörtert wurde, wurde nie ausgeführt.


Von Rehberger Flurnamen sind erwähnenswert im Norden der Gutslage das Burgfeld, über das man zu dem alten Preußenwall gelangt, und der Bullenwinkel; im Osten der Fichtberg (180,9 m) und der Zimmermannsgrund, der von einem der Quellbäche der Cadiner Grenzbeek gebildet wird. Südlich des Weges zur Dörbeck-Lenzener Chaussee liegt das Russengrab (Die Russen waren von 1710-12, 1734, 1758-62 und in der napoleonischen Zeit in unserer Gegend), der Rötpfuhl, das Silberbruch, der Hopfenberg (192,3 m) und die Hopfenwiese. Deutet der Name des Silberbruchs möglicher Weise darauf hin, daß in der Ordenszeit hier nach Silber gesucht worden ist, so legen die Bezeichnungen Hopfenberg und Hopfenwiese davon Zeugnis ab, daß  ehemals hier Hopfen gewachsen sein muß. Nördlich jenes Weges liegt die Blottriewiese, der Strohbruchsberg (190,7 m), der Roßgarten, der Spitzhauchenberg (183,6 m) und der Schloßberg (182,5 m), von dem aber nicht bekannt ist, daß auf ihm jemals ein Schloß gestanden hätte. Südlich des Rehberger Weges nach dem Dorf Lenzen befindet sich der Kaiserstein (186,6 m). Von diesem Wege zweigt noch vor dem Kaiserstein die Straße nach Cadinen ab. Sie führt durch das Hüttfeld. Weiter westlich von diesem Feld liegen das Spuckbruch, von dem die alten Leute Spukgeschichten zu erzählen wußten und Schmidtswinkel. Nördlich vom Hüttfeld liegt der Piepenborn.


Berühmt ihrer landschaftlichen Schönheiten wegen sind die Rehberg, ein von romantischen Schluchten zerrissenes Waldgebiet. Die Rehberge werden im Nordosten von der Cadiner Grenzbeek abgeschlossen, die die Cadiner Waldungen von der staatlichen Stelliner Forst scheidet.


Der Hauptteil der Rehberge liegt zwischen Rehberg und Scharffenberg östlich des Weges von Rehberg nach Cadinen. Er wird von drei großen Schluchten zerteilt, die sämtlich in den Grenzgrund auslaufen:


  1. der Sauerampfergrund
  2. dem Bildhauergrund
  3. dem Wingolsteingrund


Wir betrachten


1. das Gelände zwischen Grenzgrund und Sauerampfergrund. Nördlich von Rehberg entspringen zwei Bäche, von denen der westliche den Hellegrund, der östliche die Widderschlucht bildet. Zwischen beiden liegt der Burgwall. Beide Schluchten vereinigen sich im Sauerampfergrund. Zwischen diesem und dem Grenzgrund führt die Langgasse von Rehberg bis an die Grenzbeek. Östlich von der Langgasse liegen von Süden nach Norden der Köhlerweg, die Rasthütte, die Schildheide, der Paterschlag und der Trepkeberg (144,5 m).


2. das Gelände zwischen Sauerampfergrund und Bildhauergrund. Der Bach, der durch den Bildhauergrund geht, entspringt am Kaiserstein. Zwischen Sauerampfer- und Bildhauergrund liegen die Blinde See, das Torfbruch und die Wolfskaulenschlucht.


3. das Gelände zwischen Bildhauergrund und Wingolsteingrund. Westlich vom Bildhauergrund befinden sich die sogenannten Hünengräber, das sind Hügelgräber aus der frühen Eisenzeit (800 – 500 v.Chr.) Östlich von Scharffenberg liegt ein großer erratischer Block, der Wingolstein. Er gibt dem Wingolsteingrund seinen Namen. In diesem Grund kommt von Osten der Höllengrund (nicht mit dem Hellegrund bei Rehberg zu verwechseln).

Ein zweiter kleinerer Teil der Rehberge liegt zwischen Scharffenberg und Cadinen. Nordöstlich vom Scharffenberger Feld zieht sich der Hirschgrund nach dem Grenzgrund hin. Südlich von ihm liegt der Schweinehof (In der Bevölkerung spricht man von drei Schweinehöfen), der von wilden Schweinen seine  Namen führt, nördlich der Waldfrieden, allgemein Birkenhäuschen genannt. Die letzten Ausläufer der Rehberge nach Cadinen hin sind der Klosterberg (69 m), der Großmutterberg und der Kapellenberg (52,8 m). Diese drei Berge liegen schon in unmittelbarer Nähe des Cadiner Parkes.


Ein dritter und letzter Teil der Rehberge befindet sich westlich vom Weg von Rehberg nach Cadinen. Hier liegt nördlich vom Spuckbruch der Holzberg und noch weiter nördlich der Fuchsberg (172,2 m). Westlich von diesen Bergen fließt die Cadiner Ziegeleibeek. Der Grund, durch den sie geht, wird in seinem oberen Teil Tannengrund, weiter unten Hohlebachsgrund genannt. In diesen Grund kommen von Südosten der Kesselgrund und der Plietzkengrund. Westlich vom Hohlebachsgrund liegen die Steigstücke, noch westlicher der Mösgengrund, dessen Bächlein in die Ziegeleibeek kurz vor ihrer Mündung ins Haff geht.


In den Schluchten der Rehberge finden sich noch viele erratische Blöcke. Obgleich man schon eine ganze Menge von ihnen im Lauf der Zeiten herausgeholt und verwendet hat, ist ihre Anzahl noch immer recht stattlich.


Die Schönheiten der Rehberge wurden weiteren Kreisen erst im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts bekannt. Die Familie Birkner öffnete das wunderbar schöne Gebiet weitherzig allen Naturfreunden. Eine ganze Reihe von Aussichten wurde geschaffen. Die weitaus meisten von ihnen sind aber heute schon verwachsen. Über die Namen der Aussichten scheint eine allgemeine Übereinstimmung nie bestanden zu haben. An der Langgasse nach dem Sauerampfergrund hin lagen Friedrich Karl und Bismarck. Dort wo der Sauerampfergrund in den Grenzgrund ausgeht, befanden sich im Westen jenes Grundes Steinmetz und Falkenstein. Zwischen Wolfskaulenschlucht und Torfbruch war die Aussicht „Am Torfbruch“. Zwischen Wolfskaulenschlucht und Bildhauergrund lagen Weidmannsheil, Kronprinz, Alt- und Neu-Hubertsburg. Zwischen Bildhauer-und Wingolsteingrund war die vielgepriesene Perle Rehberger Aussichten. Auf dem Fuchsberg waren drei Aussichten. Noch heute bestehen die Aussichten Schweinehof und Birkenhäuschen, ferner der Pavillon am Wege von Scharffenberg nach Cadinen. Neu geschaffen ist Kirchblick, eine Aussicht am Bildhauergrund, die einen herrlichen Blick den Grenzgrund entlang nach der Cadiner Kirche hin gewährt.




Sonstige Orte