Reimannsfelde
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Reimannsfelde

entstand um 1300, aber nicht unter diesem Namen. Heute besteht es aus Gut, Ziegelei, zwei Mühlen und einem Krug. In der Ordenszeit ist es als einfaches Mühlengut von vier Hufen begründet worden. Noch heute trägt die Untermühle in ihrer Bezeichnung als Ordensmühle die Erinnerung daran. Übrigens will diese Bezeichnung nicht besagen, daß die Mühle jemals im Besitz und in der unmittelbaren Verwaltung des Ordens sich befunden hat, sondern nur, daß sie in der Ordenszeit begründet worden ist.


Die Gründungsurkunde der Reimannsfelder Mühle ist leider nicht mehr vorhanden. Aber aus einer Urkunde von 1347 geht hervor, daß die Mühle zwischen 1300 und 1303 begründet worden ist, und zwar von dem Elbinger Komtur Konrad von Lichtenhayn. Der erste Müller hieß Johannes, er erhielt neben der Mühlengerechtigkeit vier Hufen Land. Das war für eine Mühle sehr viel. Sonst erhielten Mühlen nur wenige Morgen. Vier Hufen erhielten nur ganz vereinzelte Mühlen, mehr Land aber keine einzige. Der Müller von Reimannsfelde erhielt das Recht der freien Fischerei im eigenen Wasser. Im Umkreise von einer Meile durfte neben der Reimannsfelder Mühle keine andere zu ihrem Schaden angelegt werden.


Der Müller hatte zu zinsen:


  1. für die Mühle jährlich drei Mark und dreißig Hühner,
  2. für jede der vier Hufen jährlich eine halbe Mark und vier Hühner,
  3. das übliche Pflugkorn von je einem Scheffel Weizen und Roggen,
  4. an den Pfarrer von Lenzen den üblichen Dezem von je einem Scheffel Roggen und Hafer für jede Hufe.


1347 wollte der Orden in unmittelbarer Nähe seines Richthofes Cadinen eine eigene Mühle anlegen, die heutige Kickelhöfer Mühle. Da sie aber keine Meile von Reimannsfelde entfernt war, mußten die Erben des Johannes,  jenes ersten Reimannsfelder Müllers, erst ihre Genehmigung hierzu geben. Sie taten es. Der Elbinger Komtur Alexander von Kornre entschädigte sie dadurch, daß er der Reimannsfelder Mühle die ausschließliche Mühlgerechtigkeit über die fünf Dörfer Rehberg, Dörbeck, Lenzen, Groß-und Klein-Steinort verlieh.


1457 kommt der Name Reimannsfelde zum ersten Mal vor. Das Gut hat seinen Namen offenbar nach einem Besitzer Reimann erhalten. Wenn auch zeitweilig andere Namen aufkamen, so ist doch jene alte Bezeichnung bis auf unsere Tage bestehen geblieben.


Nach dem 13jährigen Kriege (1454-66) hat Reimannsfelde in der polnische Zeit zunächst fast 100 Jahre wüst gelegen. Es brachte daher auch keinen Zins. 1554 ging es in den Besitz des Ratsherrn Christoph Weinrich über und darauf  in den des Bürgermeisters Nickel Schulz. Im 17. Jahrhundert besaß Albrecht Wieder das Gut. Nach ihm hieß es im 18. Jahrhundert Wiedershof, Wiedersmühle, Wiederskrug. Zu jener Zeit wurde Reimannsfelde Stätte eines Brudermordes. Ein Sohn Wieders, der 20jährige Ernst, ermordete seinen Bruder, den 17jährigen Gottfried, aus Eifersucht. Beide liebten ein Mädchen, das als Schaffnerin auf dem Hofe tätig war. Der Brudermörder entfloh, der Ermordete wurde bei Heilig-Leichnam in Elbing in aller Stille beerdigt. Den Degen des Mörders glaubte man um 1750 im sogenannten Totenwinkel, der Stelle des einstigen Mordes, gefunden zu haben.


Nach den Wieders besaß das Gut ein Offizier, der es dem neustädtischen Bürger Seiffert vermachte. Dessen Witwe Polyxena verkaufte, da sie verschuldet war, 1732 die Mühlengerechtigkeit an den Elbinger Rat. Das Gut kaufte ihr 1734 der Hofrat Pöhling, der mächtigste preußische Intendant, für 3500 Florin ab. Ihm war es sehr ärgerlich, daß der Rat die Mühlengerechtigkeit erworben hatte. Er setzte es durch, daß dieser sie ihm unentgeltlich überließ. Pöhling wirtschaftete ganz vortrefflich in Reimannsfelde. Er erbaute ein neues Gutshaus, am Haff einen neuen Krug und einige Fischerkaten. Auch legte er einen großen Garten mit schönen Alleen an. Zur Verbesserung des Landes ließ er zur Winterszeit „Mistung aus der Niederung“ herbeischaffen. Er vergrößerte das Gut durch Kauf zweier freier Lenzener Schulzenhufen.


Pöhling starb 1752. Obgleich er Reimannsfelde nur 18 Jahre besessen hatte, machte doch die Tatsache, daß  der mächtige und gefürchtete preußische Intendant hier gewohnt hatte, solchen Eindruck auf die Bevölkerung, daß das Gut noch zu Ende des 19. Jahrhunderts im Volksmunde „Hoffrats“ hieß.


Pöhlings Witwe heiratete den polnischen Major von Luck, der in Elbing in Garnison stand. Er besaß außer den vier Reimannsfelder Hufen noch fünf Hufen in Lenzen, vier in Gr. Steinort und zwei Morgen Wiesen in Succase. Er starb 1760 und wurde in Dörbeck begraben.


Am 15. Juni 1753 wurde in Reimannsfelde eine kleine katholische Kapelle eingeweiht. Die Weihe vollzog der Kulmer Weihbischof Fabian von Plonskowski. Die Kapelle war mit Reliquien des Severin und Martial ausgestattet. Sie hatte keinen langen Bestand. Schon 1802 nach dem Tode des Herrn von Znaniecki, des damaligen Besitzers von Reimannsfelde, ging die Kapelle ein. Den kleinen tragbaren Altar, der einen Fuß im Quadrat maß, kaufte der Kirchenvorsteher Schatz in Tolkemit. 1814 kam er als Geschenk in die Jakobuskapelle in Kickelhof, die aber bereits 1824 abgebrochen wurde. Nun ging der kleine Altar durch viele Hände. 1865 wurde er der 1860 erbauten katholischen Kirche in Sensburg geschenkt. Er befand sich dort auf dem St. Marienaltar und wurde auch zu Militärgottesdiensten in der Feste Boyen bei Lötzen verwendet.


In der Preußischen Zeit besaß Reimannsfelde der Major Johann Carl von Pflantz (im Lenzener Taufbuch 1787 erwähnt), dann der Graf Karl Hompesch de Rurich.


Als das Gut 1796 zur Zwangsversteigerung kam, erwarb es in ihr der Gutsbesitzer Niels Petersen Flesburg für 11 200 Taler, um es bereits 1798 für 14 000 Taler an Albert Falck von Plachetzki, Leutnant im Reinhardtschen Infanterieregiment, zu veräußern. Von ihm erwarb es noch in demselben Jahr für 17 000 Taler Michael von Lyskowski. Er verkaufte es 1801 für denselben Preis an Ignatius von Znaniecki. Als dieser 47jährig am 11. Oktober 1802 in Reimannsfelde starb, wurde er am 16. Oktober im Cadiner Kloster beigesetzt, wo er als frommer Katholik sich häufigen Bußübungen unterzogen hatte. Seine Witwe und seine beiden minderjährigen Kinder erbten das Gut, das sie 1805 für 10 766 Taler an George Huhn verkauften, der vorher Erbpächter von Dünhofen gewesen war. Dann erwarben Reimannsfelde: Deichinspektor Günther 1810 für 6 802 Taler, Thomas Ferdinand Skriwinski 1810 für 9 500 Taler, Land-und Gerichtsassessor Thomas Woycke aus Culm 1821 für 5 000 Taler. Dieser spätere Richter Woycke ist vielen älteren Bewohnern der Elbinger Haffhöhe noch im Gedächtnis durch ein kleines Volkslied, das sich mit ihm beschäftigte und häufig gesungen wurde, besonders dann, wenn die Elbinger Ulanen auf den Dörfern spielten.


Das Volkslied beginnt:


Dem Woyck, dem ist die Kobbel dod,

He, wer sich nicht drum mäge,

Das Fell, das ist o Sohle good,

Das Fleesch kann he sich dreege.


Das Lied hat dann noch mehrere Strophen.


Nach Woyckes Tode erbten 1837 seine Kinder das Gut. Von ihnen kaufte es noch im gleichen Jahr der Leutnant a.D. Friedrich Ludwig Alfred von Kall für 6 000 Taler. Er ließ 1842 durch Dr. Krohn aus Elbing eine Wasserheilanstalt in Reimannsfelde einrichten, die bald viel besucht wurde und den Treffpunkt der vornehmen Elbinger Welt bildete. Kohn, am 2. Januar 1806 geboren, hatte sich 1831 bei der Cholera in Elbing durch seine Aufopferung ausgezeichnet und wurde daher noch in demselben Jahr Ehrenbürger der Stadt Elbing, 1859 Sanitätsrat; er feierte 1891, 87jährig, sein 60jähriges Ehrenbürgerjubiläum und starb am 24. April 1895.


Trotz der im Aufschwung befindlichen Wasserheilanstalt konnte Herr von Kall sich auf Reimannsfelde nicht halten. Er geriet in Schulden, und 1849 kam das Gut zur Zwangsversteigerung, in der es Baron Leopold von Goetzen für 6 000 Taler erstand. Seine Gattin entstammte der Danziger Bankiersfamilie Normann.


Goetzen errichtete 1850-51 auf einer Anhöhe inmitten des schönen Parkes ein geschmackvolles Gutshaus, das im Volksmund wegen seiner für unsere Gegend damals ganz absonderlichen Bauart und nach seinem Erbauer bald der „Götzentempel“ genannt wurde.


1856 kaufte das Gut für 27 000 Taler Adolf von Hoven. Damals war Reimannsfelde ein anmutiger, lieblicher Kurort, der wegen der Schönheit der Lage und Eleganz der Einrichtung viele Kurgäste und Besucher anzog. Manche Bilder zeigen uns das Leben und Treiben in jenen verflossenen Tagen.


Der Besitznachfolger von Hovens, der Dr. jur. Albert Orbanowski, der das Gut 1872 für

36 000 Taler erwarb, verfolgte mehr praktische Ziele. Er erbaute die beiden großen Ziegeleien am Haffufer. Da die Wasserheilanstalt in ihrer Bedeutung etwas zurückgegangen war, suchte er sie wieder in die Höhe zu bringen. In Dr. Axt gewann er 1888 einen geeigneten Leiter.


Orbanowski baute die Obermühle wieder auf. Dort hatte vor Zeiten schon ein Kupferhammer gestanden. Deshalb nannte der Volksmund jene Stelle den „Kopperdiek“. Von diesem früheren Bau wurden aber damals keine Reste mehr gefunden.


1891 brannte die westliche Ziegelei in Reimannsfelde ab.


Im März 1892 erwarb Kaufmann Roehl aus Königsberg das Gut in Größe von 6 ¾ kulmischen Hufen für 210 000 Mark. Zum Gut kam 1893 auch die alte Ordensmühle, die außerordentlich romantisch gelegen ist und auch Unter- oder Talmühle genannt wird, zum Unterschied von der Obermühle, die ebenfalls an der Steinbeck liegt. Die Ordensmühle besaß Reichow von 1880-93. Dann erwarb sie Roehl für 34 500 Mark, um das Gut abzurunden. 1920 wurde sie wieder verkauft und ist jetzt vom Gute getrennt.


Am 28. Juni 1894 eröffnete Dr. Lindtner seine Naturheilanstalt in Reimannsfelde, die eine Erweiterung der alten Wasserheilanstalt darstellte. Sie ging nach einigen Jahren ein. Reimannsfelde hat also dreimal die Gründung oder Wiederbegründung als Kurort erlebt: zunächst 1842 zur Kallschen Zeit durch Dr. Kohn, dann 1888 zur Orbanowskischen Zeit durch Dr. Axt und schließlich 1894 zur Roehlschen Zeit durch Dr. Lindtner.


Nach Roehls Tode verkaufte seine Witwe Reimannsfelde an die Königsberger Kaufleute Quedenfeld und Neumann, die eine Gesellschaft m.b.H „Dampfziegelwerke Reimannsfelde“ begründeten. Der Krug, die Obermühle und die Untermühle sind heute in getrenntem Besitz. Die Königsberger Firma besitzt Gut und Ziegelei. das Gut ist verpachtet an den Amtsvorsteher Otto Kuhn.


Der Gutsbezirk Reimannsfelde hat heute (ca. 1925) 131 ha und 85 Bewohner.





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