Kickelhof
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Kickelhof

bestand höchstwahrscheinlich zur Ordenszeit noch nicht. Zwar hat ein Elbinger Heimatdichter, Heinrich Nitschmann, in seiner Dichtung „Hogia“ Kickelhof schon für die Ordenszeit erwähnt; doch ist das eben Dichtung.

Höchstwahrscheinlich ist Kickelhof erst in der polnischen Zeit entstanden. Es war ein Vorwerk der Tolkemiter Starostei. Der Name bedeutet soviel wie Kücken-oder Hühnerhof.

1772, als unser Gebiet preußisch geworden war, wurde Kickelhof Vorwerk des Tolkemiter Domänenamts. Es umfaßte

 20 Hufen 22 Morgen magdeburgisch,

dazu   7 Morgen magdeb. von der Mühle Kickelhof

und    7 Morgen magdeb. vom Amtskruge in Tolkemit, der heutigen Apotheke.


Bei Auflösung des Tolkemiter Domänenamtes erwarb Benjamin Bielefeldt aus Lupushorst 1802 das bisherige Vorwerk Kickelhof gegen ein Erbstandsgeld von 4100 Talern und einen jährlichen Kanon von 390 Talern und 11 Silbergroschen. Wenn er den Kanon in Roggen entrichten wollte, so hatte er 585 Scheffel und neun Metzen zu liefern. Unbedingt hatte er an Roggen jährlich 47 Scheffel an das Königliche Magazin in Elbing zu liefern.


Bielefeldts ältester Sohn aus erster Ehe, Michael, verheiratet mit Christine Elisabeth, geb. Preuß, wurde in Kickelhof ansässig. Am 1 . Februar 1805 kaufte er das Gut für 5000 Taler von seinem Vater. Bis dahin scheint er mit seinem Schwager Salomon Schmidt Kickelhof gemeinsam besessen zu haben. Jedenfalls wird 1803 und 1804 auch dieser als Erbpächter in Kickelhof genannt.

1808 wurden an die Mühle Kickelhof ein paar Morgen abgetreten, und zwar als Entschädigung für das Recht der freien Waldweide, das die Mühle bis dahin besessen hatte.

Am 1. März 1816 verkaufte Bielefeldt das Gut an den Rittergutsbesitzer Daniel Birkner in Cadinen für 5000 Taler, der es zunächst von seinem Schwiegersohn, dem Kaufmann Karl Baumgart, bewirtschaften ließ und es ihm 1824 für 2000 Taler verkaufte. Baumgart erbaute ein schönes Gutshaus in Kickelhof. In zweiter Ehe heiratete er Seline Eleonore Emilie John, die 1827 starb und ein schönes Grabmal auf dem Lenzener Kirchhof hat.

Baumgarts Nachfolger im Besitz Kickelhofs war der bisherige Wirtschaftsinspektor Leutnant Depner aus Cadinen. Er erstand Kickelhof 1831 für den außerordentlich geringen Preis von 5000 Talern und bewirtschaftete es musterhaft. 1833 kaufte er den Forstort Kickelhof mit 62 Morgen und vereinigte ihn mit dem Gute.

Depner verkaufte Kickelhof 1855 an Leo Klein für 17 500 Taler, dieser 1861 für 26 000 Taler an Quassowski, dieser endlich 1881 für 40 000 Taler an den Rittergutsbesitzer Arthur Birkner in Cadinen. So kehrte Kickelhof zu seiner ursprünglichen Bestimmung als Vorwerk zurück, nachdem es noch nicht 80 Jahre selbstständiges Gut gewesen war. Es ist auch heute noch Vorwerk der Herrschaft Cadinen.


Im Oberfeld der Kickelhöfer Gemarkung liegen der Uhuberg (66,2 m) und der Vogelherd (63 m).


Gegenüber dem Gutshause von Kickelhof, jenseits der Chaussee, steht eine Gruppe von fünf Linden. An dieser Stelle befand sich bis 1823 eine kleine Kapelle, die Jakobus dem Älteren geweiht war. Sie stammte wohl schon aus der Ordenszeit. Über ihre Entstehung gibt es zwei Volkssagen. Am Jakobusfest wallfahrte man zu dieser Kapelle. 1680 gelobten während einer Pest die Tolkemiter, dorthin jährlich eine Prozession zu veranstalten. Sie fand immer am Freitag nach Ostern statt. 1720 gestattete der damalige Bischof von Ermland Potocki (1711-24), daß sowohl an diesem Tage wie am Jakobusfest in der Kickelhöfer Kapelle Messe gehalten werden dürfte. 1824 mußte die Kapelle abgebrochen werden, weil sie baufällig war. 1832 kaufte der Besitzer Kickelhofs, Depner, den Platz, auf dem einst die Kapelle gestanden hatte.

Ein kleiner tragbarer Altar, der ursprünglich in der katholischen Reimannsfelder Kapelle gestanden hatte, kam 1814 durch Schenkung an die Kickelhöfer Kapelle. Nach ihrem Abbruch ging der Altar durch verschiedene Hände und kam 1865 an die 1860 erbaute katholische Kirche in Sensburg. Er wurde auch bei den katholischen Gottesdiensten in der Festung Lötzen verwandt.


Die Kickelhöfer Mühle stammt schon aus der Ordenszeit. Sie wurde 1347 vom Orden selbst begründet.


In der polnischen Zeit gehörte sie zur Starostei Tolkemit. Als Szembeck Starost von Tolkemit war (1725-42), wurde die Mühle, die wahrscheinlich in den Schwedenkriegen zugrunde gegangen war, wieder aufgebaut. Der Starost verlieh sie damals an Adalbert Schulz und seine Nachkommen. Der nächste Tolkemiter Starost, der Freiherr von der Goltz, übergab im November 1752 der Kickelhöfer Mühle den zwischen den Bächen liegenden Acker nebst Garten- und Wiesenland.

Als unser Gebiet 1772 preußisch geworden war, kam die Mühle an das Tolkemiter Domänenamt. 1789 wird sie ein kleines Erbfreigut genannt. Damals war sie im Besitz des Mühlenmeisters Josef Wichmann. Von ihm erbte sie sein Sohn Heinrich Ferdinand, der 1839 fünfzigjährig starb. Dessen Sohn Ferdinand verkaufte die Mühle Kickelhof und erwarb die Amtsmühle Tolkemit. Im Besitz seiner Familie befindet sich diese Mühle noch heute.

Die Mühle Kickelhof wechselte noch einige Male den Besitzer, bis sie 1883 von Cadinen erworben wurde und seitdem mit diesem Gut vereinigt blieb. So ist die alte ordenszeitliche Verbindung zwischen Cadinen und der Kickelhöfer Mühle wieder hergestellt.

Obgleich Kickelhof schon seit 1881 zu Cadinen gehört, bildet es noch heute (das war ungefähr 1925) einen eigenen Gutsbezirk, der heute 188 ha groß ist.



(         Hannelore Albuszies)

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