Bollwerkskrug


Heimatkunde

Was war eigentlich der Bollwerkskrug?

(Günter Mauter)


Das Bollwerk: Schon zu frühen Zeiten war der Deutsche Orden gezwungen, erhebliche Mittel zur Regulierung des Elbingflusses an seiner Mündung in das Haff aufzuwenden, damit der Fluss schiffbar blieb. Die Verlandung des Haffs zwang zu diesen Schritten, zumal die Versandung auch durch die Nogat verursacht wurde. Man war daher darauf bedacht, eine besondere Fahrrinne anzulegen, die den Schiffen beim Einlaufen auch die nötige Tiefe gewährte. Darum wurde schon im Jahre 1348 ein "Bollwerk" errichtet, das aus mit Steinen gefüllten Kästen bestand, und zwar an der Stelle, wo damals der Elbing mündete (das Dorf Bollwerk hat hiervon seinen Namen). Was diese Kästen wirklich bewirken sollten, erschließt sich dem Schreiber dieser Zeilen allerdings nicht. Zu Beobachtungs- und Verteidigungszwecken wurde an der Mündung auch ein befestigtes Haus erbaut. Der Stadt haben diese Anstrengungen , wobei das Bollwerk immer weiter in das Haff hinaus verlegt werden musste, viel Geld gekostet.

Dieses feste Gebäude könnte der erste Bollwerkskrug gewesen sein; denn 1548 wird er schon von dem Elbinger Dichter Christoph Falk erwähnt. Sein Gedicht darüber beginnt:


"Das dieses haus mit seiner tzihr, ein burger het gebauet auf. Grosses geschlechts, damit mahnn drauf möchte sehen die schiff laufen ein…  welches wird genent das pollwerk…"


Der Bollwerkskrug: Um 1560 war der Bürgermeister und Burggraf Jacob von Alexwangen Besitzer des Gebäudes. Der stattliche Bollwerkskrug wurde im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts erbaut. Dieses schöne Bauwerk verdankt seine Entstehung der Eastland Company, jener englischen Handelsgesellschaft, die seit 1580 etwa ein halbes Jahrhundert lang ihren Sitz in Elbing hatte und eine ungeahnte Blütezeit über unsere Stadt heraufführte. Eine rege Bautätigkeit entfaltete sich damals in und bei der Stadt. Der holländische Baumeister Michael Jansson Pingster und der einer Elbinger Goldschmiedsfamilie entstammende Timotheus Johst führten jene prachtvollen Giebelhäuser in der Altstadt in holländischer Renaissance aus, die leider alle ein Opfer des Krieges wurden. Auch Englisch-Brunnen verdankt seine Entstehung den englischen Kaufleuten, die sich hier eine Erholungsstätte schufen.

Den Bollwerkskrug in seiner uns bekannten Form ließ der aus Bristol stammende englische Handelsherr John Slocumbe errichten. Bis zu dieser Stelle konnten die nach damaligen Verhältnissen "großen Seeschiffe" fahren, dann mussten sie wegen des Tiefgangs geleichtert werden. Aus diesem Grunde war hier auch ein Gasthaus nötig, das die ankommenden und abfahrenden Kaufleute aufnahm. Ein neuerer Forscher (Erwin Volckmann) bezeichnete den Bollwerkskrug zur Zeit des "englischen Stapels" nicht zu Unrecht als ein "Terminus-Hotel", also eine "Fremdenankunftsstelle". Sicher hat der Bollwerkskrug damals ein reges Leben und Treiben gesehen.






















Die Zeichnung zeigt sehr schön die Anordnung der Wappen. Im Hauptbau befand sich im zweiten Stockwerk ein großen Saal, der vom Rat der Stadt Elbing auch nach der Zeit des "englischen Stapels" zuweilen noch zu repräsentativen Zwecken benutzt wurde. So wurde hier z.B. am 18. November 1711 der damals in Elbing  weilende Zar Peter der Große von Rußland bewirtet, dessen Truppen die Stadt besetzt hatten. Sehenswert waren in diesem Saal und in den über ihm liegenden zwei großen Stuben mit anstoßender langer Kammer die Malereien an den Decken und Wänden.

Diese Bemalungen waren zwar nur handwerksmäßige Arbeiten - also keine Kunstwerke im engeren Sinne - aber kulturgeschichtlich sehr interessant. Diese Bemalung zeigte uns,  wie man zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein vornehmes Haus mit Bildern schmückte. Die Motive der Malereien waren biblische Geschichten, Kämpfe, Landschaften, Schiffsszenen und Allegorien. Die Bilder hatten im Laufe der Zeit schon sehr gelitten! Die Fenster des Saales zeigten im 17. Jahrhundert  noch die Namen und Wappen der englischen Kaufleute.

Über dem Eingang des kleinen Nebenbaus mit den zwei Giebeln, und zwar unter dem Westgiebel, war das Wappen des Erbauers des Bollwerkskruges, John Slocumbe und die Jahreszahl 1637 zu sehen, -  daraus folgernd ist der Nebenbau zugleich mit dem Hauptbau entstanden. Darüber standen die Worte "Memento mori" (d.h. "Denke ans Sterben") Slocumbe starb 1638, aber sein Grabmal hatte er bereits 1627 errichten lassen. Es befand sich ehemals in der St. Marienkirche, später sah man das vierfeldrige Wappen an der alten Kirchhofmauer.

Zum Bollwerkskrug gehörte auch Land. Es lag links des Elbingflusses in der Dorfgemarkung von Bollwerk und hatte eine Fläche von nicht weniger als 4 Hufen (1 Hufe = 16,8 ha).  Am Krug selbst befanden sich zudem noch etwa 1 ¼  Morgen Gartenland.

Der Bollwerkskrug wechselte oft seinen Besitzer. 1862 erwarb die Stadt Elbing die Immobilie im Zwangsversteigerungsverfahren für 15751 Taler. Der Krug kam zwar wieder in Privatbesitz, wurde aber 1909 nochmals von der Stadt Elbing mit finanzieller Hilfe des Staates erworben und dadurch vor dem völligen Verfall gerettet, dem dieses wertvolle Baudenkmal aus der Alt-Elbinger Zeit nicht preisgegeben werden sollte. Der Bollwerkskrug stellte ein charakteristisches Baudenkmal in unserer Niederungslandschaft dar. Der Forscher Erwin Volckmann sah im Bollwerkskrug sogar ein auf dem europäischen Festland einzig dastehendes Denkmal! Jene Zeit, in der die englische Handelsgesellschaft in Elbing weilte und in der der Bollwerkskrug gebaut wurde, galt dem Geschichtsforscher als der Beginn und die Grundlage der englischen Weltmacht.

1934 wurde als Gastwirtin in Bollwerk Frau  Luise Fischer genannt.

Die Bollwerkswiesen waren unbebautes Bürgerland, begrenzt im Norden von Dornbusch, im Osten von Gr. Röbern, im Süden vom vorstädtischen Rossgarten und im Westen vom Elbing. Um 1830 waren die Wiesen 9 Hufen 21 Morgen groß. Seit der Separation der Bürgerwiesen sind die Bollwerkswiesen in vielen Händen; das Gemeingut der Altstadt hatte hier auch noch Besitz.

Die Schule Bollwerk bestand schon in der fälschlich so genannten Polenzeit (Polenzeit = 1466 – 1772). Ein Schulhaus wurde 1781 erbaut. In jener alten Schule wohnte auch der Wassermüller, der den Herrenpfeil zu entwässern hatte. Die Danziger Regierung erbaute 1840 eine neue Schule, weil die alte sich einfach als zu klein erwiesen hatte. Während des großen Dammbruchs der Nogat am 17. Dezember 1876 wurde die Schule ca. 75 cm unter Wasser gesetzt. Bei dem großen Durchbruch bei Jonasdorf im Jahre 1888 wurden am 26. März um 10 Uhr abends die Dämme überflutet. Am 2. April wurde der Lehrer der Schule Bollwerk durch Pioniere nach Elbing geholt. Der Wasserstand in der Schule betrug 1 m. In der Nacht vom 5. zum 6. Dezember 1899 staute ein Nordoststurm das Wasser im Elbing, dessen Dämme brachen.

Seit dem 1. Januar 1921 gehörten zum Schulverband Bollwerk der Herrenpfeil, Bollwerk und Gr. Röbern. 1934 wurde als Lehrer Herr Erich Kortstock genannt.

Erwähnenswert – und vielleicht gibt es noch jemand, der sich daran erinnern kann – gehörte zur Gemarkung Bollwerk früher eine Insel im Elbing, auf der sich ein Gehöft befand. Diese Insel wurde in den zwanziger Jahren bei der Regulierung des Elbingflusses abgebaggert. Damit wurde der Elbingfluß leider auch um ein reizvolles Landschaftsbild ärmer gemacht.

Die Gemeinde Bollwerk hatte (im Jahre 1925) eine Fläche von 523 ha und 334 Einwohner.

Der Bollwerkskrug wurde ein Opfer des Krieges, wie auch der größte Teil unserer Elbinger Altstadt.












So wie wir ihn von Bildern oder aus eigenem Erleben kennen, bestand der Bollwerkskrug aus einem Hauptbau mit vier Giebeln, der noch einen kleinen Anbau mit einem Giebel hatte, und einem kleinen Nebenbau mit zwei weiteren Giebeln. Da das Gebäude somit sieben Giebel hatte, wurde es auch der "Siebengiebelkrug" genannt.

Der Hauptbau entstand wohl zwischen 1632 und 1637. Diese letztere Zahl sah man noch an seinem Westgiebel. An seiner Frontseite konnte man vier Wappenkartuschen sehen und zwar die Wappen der Eastland Company, der Stadt London, der Stadt Elbing und der Grocers Livery Company, einer zweiten englischen Handelsgesellschaft.