Gemeinheitswirtschaft


De uts che Minderheit


Heimatkunde

Was ist eigenlich Gemeinheitswirtschaft?

(Günter Mauter)


Aus den alten Handfesten geht hervor, dass die vom Deutsche Orden in unserer Heimat neu angesiedelten deutschen Bauern jeder einen gleich großen Anteil an der Dorffläche bekamen. Gemeinsam wurden dann die Flächen gerodet und urbar gemacht. Der Feldanteil eines Bauern konnte eine, aber auch vier Hufen pro Hof sein. Das Land gehörte nicht ihm persönlich, sondern dem Orden. Nur die Höfe waren Eigentum.

Die Felder wurden in dieser mittelalterlichen Zeit gemeinsam bestellt. Das nannte man "Gemeinheitswirtschaft". Die Ackerflächen waren oft in rechteckige Flächen – "Gewanne" genannt – aufgeteilt und in jedem dieser Gewanne erhielt jeder einen oder mehrere Ackerstreifen. Auf diese Weise hatte jeder Anteil an guten, aber auch an schlechten Äckern. So eine Vielfalt beim Anbau wie heute gab es damals nicht, - hauptsächlich wurde Getreide angebaut. Die Bewirtschaftung der Flächen erfolgte nach der "Dreifelderwirtschaft". Das bedeutete, dass ein Feld zur Sommerung (Sommerfrucht = Gerste, Hafer), das zweite zur Winterung (Winterfrucht = Weizen, Roggen) und das dritte Feld brach lag (also nicht bebaut wurde). Das Brachfeld diente den Tieren als Weide und erhielt auf diese Weise (mehr oder eher weniger) auch neue Nährstoffe. So ging es umschichtig, damit ein Feld sich immer "erholen" konnte.

Im Rhythmus des Jahres gab es bei den Bauern bestimmte Zeiten zur Feldarbeit. So begann das gemeinsame Pflügen immer am 24. Juni (zu Johanni), wenn der Boden nicht mehr so nass war. Am 1. September (auch Ägidi genannt) wurde die Wintersaat eingebracht. Anschließend lag dieses Feld bis Oktober brach. Es wurde dann umgebrochen, der Winter zerkleinerte die Schollen, und im Frühling (Kirschblüte) kam die Sommerung in den Boden. Nach dieser Ernte kam die längere Brache, die bis in den Juni des nächsten Jahres dauerte, um dann wieder gepflügt und im Herbst mit Wintersaat eingesät zu werden . Dieser Wechsel vollzog sich ständig über Jahrhunderte. War ein "Nachbar" (= Bauer) bei dieser Bewirtschaftungsart besonders fleißig, zahlte es sich für ihn eigentlich nicht aus, -andererseits wurden die weniger arbeitsamen oder schwachen Mitnachbarn mit durchgezogen. Fleiß und Können wurden erst um 1830 für den Einzelnen belohnt, als nach der Separation bestimmte Felder zum eigenen Hof gehörten und der Bauer alleine für nun "seinen" Acker verantwortlich war.

Heute ist es selbstverständlich, dass überall zu den Feldern Wirtschaftswege führen, damit der Landwirt jedes Feld auch erreichen und vielleicht unterschiedlich bestellen kann. Der damalige Mangel an solchen Wegen begründete den "Flurzwang", der die gemeinsame Bearbeitung zur gleichen Zeit mit den gleichen Geräten erforderte, wollte man nicht dem Nachbarn durch die Saat oder das Korn fahren!

Das Vieh war zwar Eigentum des Bauern, wurde aber gemeinsam mit anderem Vieh auf die Brache getrieben. Dazu gab es in jedem Dorf einen Viehhirten, der in der Hirtenkate wohnte, die der Dorfgemeinschaft gehörte. Die Viehweide war im allgemeinen äußerst spärlich bewachsen, wodurch die mageren Kühe nicht immer genug zu fressen hatten. Wenig Nahrung bringt auch wenig Dung, also konnten auch die Felder anschließend nicht noch fruchtbarer werden als sie es vorher schon waren. In der Not wurden auch der Wald und die Dorfmark beweidet, die ja auch Gemeingut waren.

Wintertags war die Versorgung des Viehs noch schwieriger; denn das auf den Wiesen geerntete Heu war teils als minderwertig zu bezeichnen. Und zum Zufüttern mit Klee, Futtergräsern oder Luzerne hatte der damalige Bauer noch nicht die Kenntnisse.

Ein wichtiges Tier als Lebensmittel war das Schwein. Jeder Hof hatte davon mehrere zur Fütterung oder Zucht. Wenn man sich erinnert, so war das Schwein fast zu 100% zu verwerten. Auch unsere Vorfahren wussten einen Schinken zu schätzen, der langsam im Rauch des Schornsteins reifte. Kaum einer isst heute noch die Ohren oder den Kopf einer Sau. Früher wurde alles – natürlich richtig zubereitet – gegessen!

Erst unter Friedrich dem Großen bahnte sich eine Reform in der Landwirtschaft an

Doch erst um 1850 wurde bei uns auf der Elbinger Höhe die Separation wirksam was bedeutete, dass das Bauernland jetzt auf die einzelnen Bauern aufgeteilt wurde. Jeder Bauer bestellte nun – sozusagen auf eigenes Risiko – die ihm zugewiesenen Ländereien. Da oft die Felder weit vom Hof im Dorf entfernt lagen, entstanden die so genannten Abbauten.


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