Geldwesen


Heimatkunde

Wie war früher eigentlich das Geldwesen?

(Günter Mauter)


Als in der Ordenszeit die Handfesten für Dörfer und Krüge ausgestellt wurden, konnte man lesen, dass als Hufzins (das war eine der wichtigsten Grundlagen der Finanzwirtschaft des Ordens) ½ Mark und diverse Abgaben in Naturalien zu einem bestimmten Termin fällig waren.

Die "Mark" ist zur Ordenszeit nie als Münze geprägt worden, es war vielmehr eine feste Rechengröße des Ordens, die auch in kleinere Teile "gesplittet" werden konnte.

So entsprach:

1 (Ordens)-Mark = 4 Vierdung = 24 Skot = 60 Schillinge = 720 Pfennige; demnach war

1 Vierdung = 6 Skot = 15 Schillinge = 180 Pfennige, und

2 Skot = 5 Schillinge = 60 Pfennige. Ergo, – das konnte man dann an den Fingern abzählen - war

1 Schilling = 12 Pfennige wert.

Geprägt wurden in den ersten 150 Jahren ohnehin nur Pfennige in Silber, - und die ½ Mark Zins, die der Orden verlangte,  mußte in diesen Pfennigen entrichtet werden.

Später, nach 1380, wurden auch Schillinge geprägt.

In einem Rechenbuch aus dem Jahre 1525 - das war die Zeit des Herzogs Albrecht von Brandenburg-Ansbach, der auch der letzte Hochmeister war – wird eine andere Rechnung aufgemacht:

Danach entsprach 1 (Preußische) Mark = 4 Firdung = 20 Groschen = 24 Skot = 60 Schilling = 360 Pfennig;

also 1 Firdung = 5 Groschen = 6 Skot = 15 Schilling = 90 Pfg. und 1 Groschen = 3 Schilling = 18 Pfg.

Demnach 1 Skot = 15 Pfg.,  – und 1 Schilling = 6 Pfg.

Auch diese Quelle weist darauf hin, dass Mark, Firdung und Skot als reine Rechnungseinheiten zu betrachten sind.

Besonders interessant und beachtenswert sind die folgenden Angaben aus denen wir erfahren, dass auch noch in der Mitte des 16. Jahrhunderts, also auch nach den Münzreformverhandlungen von 1526-1530 zwischen "großer" Mark und "kleiner" Mark unterschieden wurde. Früher war besonders in Königlich Preußen (das war das Preußen unter der polnischen Krone) vermutlich wegen des unterschiedlichen Silbergehalts der Münzen, 3 poln. Grosch. = 4 preuß. Grosch., und 1 poln. Grosch. = 4 preuß. Schilling waren.  Also auch 1 preuß. Mark von 20 preuß. Grosch. = 15 poln. Grosch. Das war die "kleine" Mark", die bei der Münzreform der "großen" Mark" zu 20 poln. Grosch. weichen sollte. Es sollte erreicht werden, dass dann fortan 1 preuß. Mark = 20 preuß. Grosch. = 20 poln. Grosch. war. Die "kleine" Mark hielt sich aber im Verkehr nach wie vor wohl vor allem deshalb, weil die Kaufleute gerne vom Volke Waren mit der "kleinen" Mark abkauften, um sie mit der "großen" Mark wieder zu verkaufen. Die kaufmännischen Rechenkünstler lassen grüßen!

Bei der Umrechung im Handel waren auch 4 Mark Preußisch = 5 Mark Lübisch. Unter Berücksichtigung der Preise für Getreide, Großvieh, Kleinvieh, Geflügel und anderer lebenswichtiger Dinge ergibt sich der Wert von 1 Mark Lübisch für die Zeit um 1550 mit einer Kaufkraft von 40 Reichsmark vor dem Kriege (1937-1939). Die Reichmark zu Grunde gelegt läßt sich auch folgende ungefähre Umrechnung aufstellen:

4 Mark Preuß. entspr. einem Kaufwert von etwa 200,00 RM (Reichsmark)


1 Mark Preuß.  entspr. etwa 50,00 RM;

1 Firdung  entspr. etwa 12,50 RM;

1 Groschen entspr. etwa 2,50 RM;

1 Skot entspr. etwa 2,08 RM;

1 Schilling entspr. etwa 0,84 RM;

1 Pfennig entspr. etwa 0,14 RM.


Was kann man sich nun darunter vorstellen, wenn man selbst nicht mehr in den Genuß der Reichsmark gekommen ist. Unsere Eltern erzählen immer von den Brötchen, die nur 5 Pfennig gekostet haben und von den billigen Eiern. Dabei darf man den heutigen Verdienst nicht zu Grunde legen, der uns wesentlich mehr Kaufkraft gibt als unsere Vorfahren sie hatten. Heute arbeitet man vielleicht für die Miete viel länger als früher, aber für 250 gr Butter hat man 1991 sechs Minuten, 2004 vier Minuten gearbeitet! (Statistk IWD 2004)

Im Deutschen Reich betrug 1936 das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen = 950,00 RM. Nicht etwa im Monat, sondern im Jahr!!! Ca. 63% der Menschen gehörten zur Einkommensgruppe 0-1200 RM; ca. 28% bekamen zwischen 1200-3000 RM; um 5,5% hatten ca. 3000-5000 RM, -  und dann wurde es immer dünner...

Daran kann man vielleicht den heutigen Lebensstandart festmachen, den wir oft jetzt haben.

Zum Schluß noch etwas aus Elbing; denn 1820 wurde für den Elbinger Kaufmann im Handlungsadressbuch über das Münzwesen aufgeschrieben:

"Elbing, sowie ganz Ost- und Westpreußen führt Buch und Rechnung in Gulden zu 30 gr. a. 18 pf. Pr. Courant."   Verhältnis der hiesigen Münzen:


1 Rthlr. = 3 Gulden = 90 Groschen = 270 Schillinge = 1620 Pfennige.

1 Gulden = 30 Groschen = 90 Schillinge = 540 Pfennige,

1 Groschen = 3 Schillinge = 18 Pfennige,

1 Schilling = 6 Pfennig